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Paul Steinig

 
Kleine Baby ganz groß

Von Paul Steinig

Was der VW unter den Auto oder die Ju 52 unter den Flugzeugen, das war das "Grunau Baby" unter den Se.gelflugzeugen -- ein Begriff für Güte und Leistung.

Von der Wiege bis zum "Star" bin ich mit ihm groß geworden, und darum möchte ich seine Geschichte erzählen.

Man schreib das Jahr 1931. Der Segelflug war damals noch in den Anfängen und ein Sport weniger außenseiter und Waghalsiger. Zwar gab es schon Ausbildungstätten, aber geflogen wurde noch auf sehr primitiven Gleitern. Der betrieb war kostspielig und die Jünger dieses Sports waren meist "arme Luder". Es wurde immer wieder versucht, mit geringsten Mitteln ein Flugzeug herzustellen, das möglichst allen Anforderungen gerecht werden sollte. Daß es so etwas nicht gibt, wußte jeder, aber es blieb eben der einzig gangbare Weg. Durch Verkleidung des Führerzitses oder Ausrüstung dieser "Draht verhaue" mit einem geschlossenen Rumpf wurden "Segelflugzeuge" geschäffen, mit denen noch jahrelang die C- prüfungen ( 5 Min Dauer ) geflogen wurden."

Um diesem Notstand abzuhelfen, hatte der Segelflugzeugbau Edmund Schneider in Grunau /Rsbg ein Segelflugzeug gebaut, das wirklich ein Segelflugzeug für die kleine Geldbeutel sein sollte. Es war ein einfacher, abgestrebter Hochdecker mit 6-eckigem Sperrholzrump. Im Grunde war es die verkleinerte und billige Ausgabe von fruheren Segelflugzeugen der Firma, die sich schon bewährt hatten.

Endlich war es soweit , daß der neue Vogel eingefloge werden sollte. Als Fluglehrer der Segelflugschule Grunau war ich persönlich schon seit langem dafür vorgesehen und mächtig gespannt, wie wohl alles funktionieren würde. Die große Erwartung, die vor jedem Jungfernflug steht, hatte auch mich erfaßt. Zwar war alles genau verwogen und geprüft, aber von der Luft getragen war das neue Baby eben noch nicht. Das sollte jetzt geschehen. Man hatte das Flugzeug an den Südhang gebracht und dort zusammen gebaut. An dem Waldrand, von dem aus die Flugschüler mit ihren Gleitern zur A-Prufung (30 Sek. Geradeausflug) gestartet wurden, stand nun das Baby und sollte zeigen, daß es mehr als 30 Sec. leistet.

Es ging alles reibungslos. Vom Start weg glitt der blanke, schmucke Vogel aus Sperrholz, Leim und Leinwand ruhig Uber die Wiesen dahin und wollte garnicht mehr herunter. Er flog wohl 3 bis 4 mal so weit wie die Schulgleiter, weil das Gelände ja immer noch etwas Gefälle hatte, was dem Baby eben genügte. Alle waren zunächst zufrieden mit dein Erfolg. Aber das neue Baby sollte ja noch mehr zeigen. Wie würde es segeln? Wenn ich mich noch recht erinnere, drehte noch am gleichen tage der Wind nach Süd-Westen, die Richtung fur den Grunauer C-hang. Auch an Stärke hatte er zugenommen. Was lag schon näher, als es mit dem neuen Baby emmal zu versuchen?

Ich machte mich also startfertig und über den Nordhang hinweg flog ich zum C-Hang, an dem ich auch sofort mühelos Höhe gewann und bald in 200 bis 300 m Höhe über dem Kamm lustig hin und her pendelte. Der erste Stundenflug mit dem neuen Täufling mußte doch sofort absolviert werden.

Es war wohl kaum eine halbe Stunde verflossen, als ich unter mir noch ein Flugzeug segeln sah. Ein Flugzeug vom Typ Falke war es. Ganz klar, daß ich mit ihm in Konkurrenz treten mußte. Das war ja die Gelegenheit, auf die ich im stillen gewartet hatte, nämlich sichtbar zu machen, was wohl das Baby leisten konnte.

Jedoch zu einem Zweikamp kam es gar nicht. So sehr Sich wohl der Falke abmühen mochte, an mein Baby heranzukommen, es gelang ihm nicht. Zumindest die Sinkgeschwindigkeit des neuen Baby war eindeutig geringer als die des Falken. Er fand wohl auch keinen Gefallen daran, immer nur unter mir "herumzukrebsen" und flog bald wieder zur Halle am Südhang zurück , nachdem es für ihm aussichtslos aussah.

Als ich meine erste Stunde abgeflogen hatte, kehrte ich gleichfalls zum Südhang zurück. Dort erfuhr ich, daß Wolf Hirth im Falken geflogen war. Ihn hatte gleich, nachdem er gehört hatte, daß das neue Baby am C - hang segelte, ein Vergleichsf1iegen mit anderen bei der Schüle verwendeten Segelflugzeugen interessiert. Er war sofort auf den Galgenberg gekommen und im Falken gestartet.

So hatte das neue "Grunau Baby I" mit seinem ersten Flug auch gleich den ersten Schritt ins Rampenlicht getan. Sein weiteres Gedeihen schien gesichert. Trotzdem wurde diese Erstausführung nicht sehr alt, und aus dem Baby 1 wurde bald ein Baby II. Es sollte eben noch besser sein.

Meines wissens wurde die Spannweite etwas vergrößert und auch die querruder etwa verlängert, damit es selbst bei böigstem Wetter schnell und sicher auf die Steuerausschläge gehorchte, Auch der Rumpf erhielt ein gefälligeres Aussehen und einen geräumigeren Führersitz. Es sollte ja auch größere als 1,70m-Piloten bequem darin Platz haben.

Als Baby II trat nun das Grunau-Baby seinen Aufstieg zum Welterfolg an. Wer es geflogen hatte, war begeistert. Es war das Übungs-und Segelflugzeug für den Selbsbau und den Flugbetrieb in Gruppen. Auch sein Preis war wohl einmalig niedrig für ein so leistungsfähiges Flugzeug. Der Segelflugzeugbau Schneider blühte auf, und wer es miterlebte, wie dieser ehemalige Angehörige der Luftpolizei, der als Idealist sich eben dem Flugzeugbau verschrieben hatte, sich nach kargen Jahren zum Erfolg durchgerungen hatte, freute sich mit ihm.

Die Segelflugschule Grunau stellte sich mit ihrem Flugzeugpark auch bald auf dieses neue Übungsflugzeug um und wurde mit ihren dadurch steigenden Schulungserfolgen Wegbereiter Nr. 1 für seinen Siegezug. Grunau-Baby flogen bald an allen Hängen und in aller Welt. Als mit fortschreitender Entwicklung im Segelflug auch Kunstflug mit Segelflugzeugen erprobt wurde, war natürlich das Grunau Baby auch dabei.

Wie es dazu kam, sollte vielleicht lieber nicht niedergeschrieben werden. Weil es mir aber noch in so guter Erinnerung ist und doch so schön war, -- obwohl verboten und zur Nachahmung nicht empfohlen -- seine hier verraten.

Die süßesten Früchte waren, sind und bleiben eben von jeher die verbotenen. Es warmte mich schon lange, daß ich nicht auch schon einen Looping im Segelflugzeug gemachtc hatte, wenn ich es immer von anderen in den Sportzeitschriften las. Aber die hatten eben dafür gebaute Flugzeuge oder -- vielleicht auch mehr Mut. Ja! Daran lag es wohl haubtsächlich. Es fehlte der 100%ig Entschluß zur Tat.

Ich konnte der Looping wie im Traume, so oft hatte ich ihm schon im Geiste geflogen und in allen Einzelheiten durchdacht. Ich hörte das zunehmende Rauschen beim Andrücken des Flugzeuges und fühlte den Moment, wo ich am Steuerknüppel ziehen mußte, um den schwung auf dem Rücken anzusetzen. Ich wußte, daß es vielleicht mäusehenstill werden würde, wenn ich die Erde über mir hatte. Ich wußte, das ich dann zenkrecht auf die Erde (zurtärzen?) würde und -- daß ich im Sturz wieder auf das Rauschen der Luft dauschen mußte, -- wußte ich auch.

Ich wußte alles, auch, daß das Grunau Baby diese beansprachung aushalten würde, aber die Leitung von Kopf zur Hand hatte noch keine Kontakt. Der Schaltknopf mußte noch eingedrückt worden, die Verbindung hergestellt ein.

Auch dieser Tag kam, weil er kommen mußte. Dem Mut mußte auch geholfen werden, und das gesah ganz ohne meine absicht. Wolf Hith, damals neuer Flugleiter in Grunau, hatte alle seine Fluglehrer zur Einweihung seiner neuen Wohnung nach Hirschberg zum Essen geladen. Es wurde gemütlich, gefeiert und natürlich auch getrunken. Mir wurden schon immer mehr die süßen Sachen als die scharfen.

Ich hielt mich an "Danziger Goldwasser" nicht nur, weil mir die kleinen Goldfischchen darin so gut gefielen, sondern einfach, weil es mir ab besten schreckte.

Warum -- weshalb -- ich an diesem Nachmittag eigentlich noch fliegen mußte, weiß ich heute nicht mehr. Jedenfalls startete ich vom Flugplatz Hartau im Flugzeugschlepp zu einem Besuchsflug nach Grunau. In böser absicht hatte ich mich schon etwas höher schleppen lassen, als sonst üblich, und klinkte über dem Dorf bei der Segelflugschule aus. Mein Plan stand fest. Heute mußte es geschehen. Frisch gewagt ist halb gewonnen.

Ich wohlte nicht erst viel meiner schönen Höhe beim Überlegen verlieren. Zum Looping brauchte ich sie ja. Also angedrückt und hingehört.

Die Fahrt nahm rasch zu, das Rauschen ging in Singen über, und jetzt mußte es eigenlich zum Überschlag reichen.

Schön zügig nahm ich den Steuerknüppel zum Bauch. Das Baby bäumte sich auf, und schon verschwand die schöne Erde, und ich blickte in die grenzenlose Tiefe des Himmels, der nun unter mir war. Aber ganz unwillkürlich sucht das Auge nach einem festen Punkt, und wie ich den Kopf nach oben nehme, da sehe ich die Erde schon wieder. Die halbe Drehung ist also bereits geglückt. Den Knüppel halte ich weiter am Bauch. Noch habe ich Fahrt genug, daß alle Steuer wirken, noch sitze ich, obwohl ich ja auf dem Kopf stehe, fest auf meinem Fallschirm. Das Grunau Baby dreht sich weiter im Kreise. Jetzt kommt auch die Erde schon wieder auf mich zu, und bald ist der erste Looping geschafft.

Alles hat wie im Traume geklappt. Wie konnte ws auch bei so viel "geistiger Vorbereitung in jeder Beziehung" anders sein.

Aber einmal ist keinmal. Und weil es doch so schön war, wurde gleich ein zweiter Looping angehängt, und ein dritter, weil aller guten Dinge drei sind. Ich war noch sehr hoch über Grunau und wünderte mich, daß so wenig Höhe durch meine Loopings verloren hatte.

Als ich mir die Schulgebäude und das Dorf unten ansah, merkte ich, daß man mich wohl beobachtet hatte. Mancher von denen, die da standen und herauschauten, mochten meine Purzelbäume wohl gesehen haben, aber mancher -- das fühlte ich -- mochte wohl neu hinzugekommen sein und hoffen, auch noch einen Looping im Segelflugzeug zu sehen.

Ich konnte diesen erwartungsvollen, bittenden, unsichtbaren Augen einfach nicht widerstehen und drehte als Zugabe noch einen vierten Looping, ehe ich erleichtert und beglückt über die gelungene Schau zum Flugplatz Hartau zurückgeflog.

Mir war ein Stein vom Herzen gefallen, der ins Rollen kommen sollte, Kunstflug auf Grunau Baby.

Von nun an wurde Kunstflug geübt und bald auf Flugtagen gezeigt und begeistert aufgenommen. Es wurde mit dem Baby nicht nur Looping, sondern auch Turns, Männchen und Ruckenflug gemacht, und ich erinnere mich noch gern an einen Flugtag, wo mich die begeistigten Zuschauer aus dem Flugzeug zogen und auf den Schultern um den Platz trugen. Es war in Bunzlau, der ton-gebenden, nicht ton-angebenden schlesischen Töpferstadt. Ein Kaffee-Service für 2 Personen aus diesem edlen Stoff war der Lohn für meine Vorstellung. Dabei kannte man mich doch ganz genau als unverbesserlichen Junggesellen. Wenn das Baby nun längst bei den Segelfliegern populär war, und die Fa Schneider immer wieder ihre Werstätten vergrößern mußte, so sollte es trotzdem auch einmal in einem Wettbewerb seine währung zeigen. Im Rhönwettbewerb 1933 gelang mir auf "D-Sorgenkind" der erste 100km-Flug mit diesem "Baby auch unter den Wettbewerbs konkurrenten". Es war sogar Tagesbester, wie schon unter "Rhönerinnerungen" beschrieben. Es hatte bewiesen, daß es eben so gut war wie sein Ruf zu damaliger Zeit. Selbst die Segelflugexpedition des Deutschen Forschung institutes hatte es nach Südamerika mitgenommen, wo es von Hanna Reitch mit Erfolg vorgeführt wurde.

Segelfliegen ist schön, aber eben wetterabhängig. Wen es erst gepackt hat, der möchte natürlich auch gern jederzeit fliegen können, und ddas geht halt nur mit einem Motor als Hilfe bei flauem Wetter.

Unser Baby erhielt also eine solche Hilfe in einem kleine Motor, durch den es zum "Motorbaby" wurde. Dabei blieb es tatsächlich ganz "Baby". Da der Motor über dem Flugel hinter dem Piloten untergebracht war und eine Druckschraube antrieb, änderte sich für den Flieger auch gar nichts an ihm. Man konnte eben ohne Startmannschaft nur durch Vom-schieben des Gashebels selbst starten und mit etwa 1m Sek. Steigen.

Das war alles. Da es als Fahrwerk nur 2 kleine Ballonräder seitlich am Rumpf besaß, erfolgte auch die Landung wie beim Segelflugzeug. Auch mit diesem "erstarktan" Baby habe ich die ersten Füge und später auch Forchungsflüge im Moazagotl -- siehe Istusring 37 -- gemacht. Noch sehr gut erinnere ich mich am den ersten Start auf dem Flugplatz Hartau. Nach ganz kurzem anlauf hob es sich von Boden ab, und ich flog mein Runden über dem Platz wie eben in einen Baby. Nur die etwas unzureichende Kühlung des Motors fürhte öfters zu unerwarteten Notlandungen.

Unvergeßlich ist mir ein Verbandsflug mit 3 Machinchen von Breslau zur den Flugtag in Lübeck und zurück nach Breslau geblieben.Es wurde in Etappen geflogen. Berlin-Rangsdorf war zwischenstation. Wenn wir auch nicht Flüche und Fläche die ganze Strecke zurücklegten so hatte bis dahin doch jeder immer noch seine beiden Kettenhunde in Sicht gehabt. Ab Rangsdorf aber war schuß damit.

Das war herrliches Segelwetter, dem keiner wiederstehen konnte. Bald "burbelte" hier, bald dort einer, und nach kurzer Zeit war der Verband geplatzt. Werner Blech, der mit von der Partie war, und der sich als alter Wetterflieger erst wohl fühlte, wenn seine Machine in den Wolken Mis ansetzte, konnte der Versuchung nicht wiederstehen und war bald in einem dicken "Blumenkohl" verschollen. Wir trafen uns erst wieder, als wir beiden anderen längst in Lübeck an Land gegangen waren. Er hatte sich bei einem kleine Höhenflug von etwa 3000m in der Wolke etwas verspätet.

Beim Flugtag in Lübeck selbst klappte der Verbandsflug vom Start weg ganz vorzüglich. Wir flogen brav in "Schongang", denn die Motorchen durften nicht zu heiß werden, damit keiner ausfiel.

Interessant wurde der Rückflug wieder, bei dem jeder flog, wie es ihn im Sinne stand. Ich wählte den Weg entlang der Ostseeküste nach Rügen bis Stettin über Kottbus nach Hause. Die erste Etappe fürhte bis Stralsund. In geringer Höhe überflog ich die viele Badeorte an der Küste und hatte meine Freude an dem bunten Treiben und den oft sehr schönen in Muscheln ausgelegten Bildern am gelben Strand. Da Fliegen in niedriger Höhe über Menschenansammlungen ja nicht erlaubt ist, flog ich über dem Wasser so, daß ich den Strand immer noch erreicht hätte, wenn eventuell meinem Motorchen auch die Lust zu einem Bade kommen sollte. Ganz unerwartet machte ich dabei eine kuriose Entdeckung.

Als ich wohl so in 30 bis 40m Höhe über dem Wasser am Strand entlang flog, sah ich auf meinem Variometer plötzlich 1m Steigen. Ich überlegte, was wohl die Ursache sein konnte, flog mal links, mal etwa rechts, um das Aufwindfeld auszumachen. Es stellte sich heraus, daß es in einem ganz bestimmten Abstand längs der Küste lag. Als alter Moazagotlkenner dachte ich sofort an "Wellenaufwind". Nicht von den kleinen Wasserwellen unter mir, sondern von der kleinen Steilküste am Strand, in deren Windschutz sie die Badegäste anscheinend sehr wohl fühlten. Meine Vermutung wurde bestätigt durch einen Blick nach dem Wind, der mich bislang eigentlich wenig interessiert hatte. Die Fähnchen an den Standkörben flatterten wie erwartet auch tatsächlich alle seewärts. Ein "Mini-Moazagotl" trug mich hier an der Küste entlang, wovon ich heute noch fest überzeugt bin, aber ich hatte keine Zeit, mich länger aufzuhalten, denn Rügen wollte ich noch sehen und Stralsund war mein Ziel. Da mein Kurs wieder über Land führte, stieg ich langsam einege hundert Meter höher und flog an Hiddensee vorbei zum Kreidefelsen von Stubbenkammer. Nach einer Besuchsrunde flog ich zurück zum Festland, meinem Tagesziel entgegen.

Ich hatte vielleicht noch 20km zu fliegen, da plötzlich stand die Latte. Aus! Spritt zuende! dachte ich, oder hatte ich meinem Motorchen zu viel zugemutet? Wohl oder übel mußte ich mich nach einem Landeplatz umsehen und glaubte ihn in einer Viehkoppel entdeckt zu haben. Ein Baby landen macht ja nirgends Schwierigkeiten, und so klappte auch alles. Beim Aussteigen aus der Kabine allerdings stiegen die ersten Zweifel in mir auf, wie ich da mit eigener Kraft wohl wieder herauskommen würde. Die Wiese hatte keine auch nicht einmal für ein Baby ausreichende Startstrecke, die nicht immer wieder mit großen Grasbüscheln durchsetzt gewesen wäre. Außerdem Stieg sie in Windrichtung leicht an und am Ende stand ein hohes Kornfeld, das sofort überflogen werden mußte. Zunächst mußte einmal der Fehler festgestellt werden. Benzinmangsel war es nicht, also heißgelaufen. Da kein Dorf in der Nähe und mich glücklicherweise niemand bemerkt hatte, suchte ich mir in Ruhe den am besten geeignet erscheinenden Startplatz aus, hob das Baby am Rumpfende an und zog es dorthin.

Inzwischen hatte es genügend verschnauft und sich wieder abgekühlt. Die größte Überraschung stand mir noch bevor und rückte unaufhaltsam näher. Wird es mit dem Start klappen? Oder -- ja, ein oder gab es gar nicht -- es mußte glücken. Ich bereitete im Führersitz alles gut vor, um rasch starten zu können und möglichst wenig Leerlaufzeit zu haben, wenn der Motor ansprang. Alles verlief auch programmäßig. Der Motor sprang auf Anhieb an, ich schnallte mich eilig fest, und dann "volle Pulle rein", wie es der Fachsprache heiß. Mein Baby nahm all die Grasbüschel-Hürden spielend, wurde schnell und schneller und -- flog. Ich glaubte die Ähren am Rumpf entlangstreichen zu hören, als ich den Rand des Kornfeldes überflog, aber es war geschafft.

Vorsichtig nahm ich sofort das Gas soweit zurück, daß ich nur mit ½m stieg. Wenn ich nur sicher in der Luft lag und mein Motor nicht wieder so heiß wurde.

Es gelang mir auch alles weiter gut. Als ich langsam schon wieder fast 600m erreicht hatte, war es nach Stralsund nicht mehr weit. Ende gut - alles gut. Der erste Tag war spannend und erlebnisreich. Beim Weiterflug nach Stettin am nächsten Tage ging alles glatt. Auch auf dem Wege von Stettin nach Kottbus meckerte mein Motorchen nicht mehr. Allmählich hatte ich gelernt, wie es behandelt sein wollte, und so fuhren wir beide gut dabei.

Anders erging es meinen Kamaraden Bleck. Als ich so nach Kottbus unterwegs war, was sehe ich da? Unter, mir auf einem großen Stoppelfeld steht doch ein Flugzeug? Das ist ja ein Motorbaby! Kann doch nur einer von uns sein.

Das mußte ich genau wissen und setzte mich daneben, um ihm eventuell behilflich zu sein. Wie vermutet, war es auch. Blechs Motor war zu heiß geworden und deshalb mußte er Notlanden. Aber das größere Unglück kam noch. Als der Fehler behoben, und wir uns wieder startfertig machten, hatte er vergessen, den Zündkerzenschlüssel, den er auf der Tragfläche abgelegt hatte, wegzunehmen. Durch die Erschütterungen beim Anspingen des Motors schüttelte es sich frei und fiel in den Propellerkreis. Aus war es mit der Weiterfliegerei. Ich mußte den Flug nach Hause allein antreten.

Da ich noch frühzeitig in Kottbus eintraf, konnte ich nach dem Tanken am Nachmittag auch den Flug bis Breslau, meinem Endziel, noch wagen. Zum letztenmal stieg ich in mein Motorbaby. Gleich nach dem Start kurvte ich auf eine Waldkante am Rande des Platses ein, in deren Aufwind ich bei der günstigen Windrichtung eine gute Starthilfe fand und mein Motorchen sogleich drosseln konnte. Denn, wenn man die ersten 5 Minuten gut überstand und dann auf Schongang flog, ging alles in Ordnung. Soviel hatte ich ja inzwischen festgestellt.

Es wurde ein ruhiger, genießlicher Heimflug von großer Fahrt mit dem Motorbaby, von dem ich nicht ahnte, das es mein letzter mit ihn sein würde. Man konnte sich ja so wohl in ihm fühlen.

Abenfrieden lag schon in der Luft als ich in Breslau-Gandau bei sinkender Sonne auf den Platz einschwebte.

Das Motorbaby hat später auch noch einen etwas stärkeren Motor erhalten, aber die "Segelfliegerei mit Hilfsmotor" hat sich trotz mehrfacher Versuche auch mit anderen Segelflugzeugen nicht eingeführt. Es bleibt unverständlich, warum. Es war doch so schön.

Selbst das Motorbaby konnte hier keine Bresche schlagen.

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